Erfolgreiche Veranstaltung mit Gernot Erler im Nagolder KUBUS

Veröffentlicht am 24.06.2010 in Kommunale Werkstätten

v.R. Saskia Esken, Gernot Erler, Andreas Röhm, Heike Birgit Damke und Macit Karaahmetoglu

Nagold. "Die Türkei und Russland: Zwei Länder, zwei Herausforderungen - für Deutschland und die EU." Unter diesem Motto hatte der SPD-Ortsverein Nagold im Rahmen eines Zukunftsforums den SPD-Bundestagsab-geordneten und Experten für Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik Gernot Erler in den Nagolder Kubus eingeladen und nicht nur der war dieser Einladung gerne gefolgt. Auch zahlreiche Gäste waren zu der öffentlichen Veranstaltung gekommen, um den Ausführungen des stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion zu folgen. Gemeinsam mit Macit Karaahmetoglu, Beisitzer im SPD-Landesvorstand in Baden-Württemberg, gewährte Erler den Zuhörern einen tiefen Einblick in die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen der Länder.

"Russland ist ein Nachbar mit erheblichem wirtschaftlichem Gewicht für Deutschland und für die EU. So hat zum Beispiel das Volumen des Handelsaustausches im Jahr 2008 annähernd 60 Milliarden Euro betragen", sagte der ehemalige Staatssekretär Erler und erklärte darüber hinaus, dass Russland eine wichtige Bedeutung bei der Versorgung der EU-Länder mit Energieträgern habe. Was Öl und Gas angehe sei die EU inzwischen bis zu 35 Prozent von Lieferungen aus der Russischen Föderation abhängig. Dies gelte auch für Deutschland.

Gernot Erler über die Türkei und Russland

Russland habe dazu eine erhebliche Bedeutung bei der Lösung internationaler Konflikte. So sei eine friedliche Lösung im Nahen Osten ohne ein konstruktives Mitwirken Russlands nur schwer vorstellbar. Auch bei der Entschärfung des schwierigen Konfliktes mit dem Iran über dessen Atomprogramm, nehme Russland eine wichtige Position ein. Ebenso auf dem Balkan und im Kaukasus.

Eine strategisch ähnlich wichtige Bedeutung wie die Beziehungen der EU zu Russland, habe das Verhältnis zwischen der EU und der Türkei. Es gebe eine heute 47 Jahre alte Politik von Integrationsbemühungen der Türkei in Europa. Auch wenn es immer wieder Länder gebe, die davon Abstand nähmen, sei das ausdrückliche Ziel der EU, die Türkei als Mitglied der Europäischen Union aufzunehmen, sagte Erler. "Die Tatsache, dass die Türkei ein so großer islamisch geprägter, aber dennoch laizistisch geführter Staat ist, hat die strategische Bedeutung der Türkei nach dem 11. September 2001 noch weiter erhöht", erklärte Erler. Seitdem sei es besonders wichtig, engste Beziehungen mit der Türkei zu pflegen. Schließlich berge die dauerhafte Verankerung der Türkei im Westen nicht zu verachtende Vorteile im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus.

Ebenso von großer Bedeutung sei die Rolle der Türkei in der Energiepolitik. Man strebe intensiv danach, zu einer Drehscheibe in der Öl- und Gaslieferung zu werden, um den eigenen Einfluss in der Region sowie international zu vergrößern. Nicht zuletzt wegen der engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sei ein gutes Verhältnis beider Länder besonders wichtig, meinte Erler.Macit Karaahmetoglu über die Türkei und Russland Macit Karaahmetoglu schloss sich dieser Einschätzung an. "Deutschland ist für die Türkei ebenso wichtig wie die Türkei für Deutschland. Alles was das eine Land betrifft, betrifft in irgendeiner Form auch das andere Land", erklärte Karaahmetoglu. "Deswegen sollte Deutschland ein großes Interesse daran haben, die Türkei langfristig in die EU einzubetten." Die Tatsache, dass in Deutschland etwa drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln leben, mache ebenfalls deutlich, wie wichtig es sei, den Dialog zwischen Deutschen und Türken zu fördern und zu intensivieren. Karaahmetoglu sprach sich zudem für die Einführung des kommunalen Wahlrechts für alle Bürgerinnen und Bürger sowie die doppelte Staatsbürgerschaft aus. Diese zwei Punkte seien für eine erfolgreiche Integrationspolitik unabdingbar.

Schlusswort von Rainer Prewo

Bevor Rainer Prewo, der wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, in einem Schlusswort noch einmal die Aussagen seiner beiden Vorredner unterstrich, standen Erler und Karaahmetoglu in einer Diskussionsrunde den Gästen im Saal Rede und Antwort.

Heike Birgit Damke, Vorsitzende des Nagolder SPD-Ortsverein, zeigte sich, ebenso wie Andreas Röhm, der als Moderator durch die Veranstaltung geführt hatte, sehr zufrieden mit dem Verlauf des Zukunftsforums. Auf die Beine gestellt worden war die Veranstaltung unter anderem auch von dem stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden Abdülselam Dal sowie Monika Fiedler, die sich um den reibungslosen Ablauf gekümmert hatte. Passend zum Dialog der Länder, rundete ein reichhaltiges Buffet mit landestypischen Spezialitäten aus der Türkei und Russland, vorbereitet von Alanur Erdin und ihren Helfern, die rundum gelungene Veranstaltung ab.

 

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