

Wie gelingt die Energiewende ganz konkret vor Ort und was können Kommunen aber auch Privatpersonen tun, um Energie zu sparen oder um Energie selbst zu gewinnen?
Die Energieagentur Landkreis Calw e. V. in Althengstett ist ein erster Ansprechpartner für diese Fragen. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden Carl Staudbesuchte die SPD-Landtagskandidatin Daniela Steinrode Geschäftsführer Mesut Yaman sowie Mitarbeiterin Heidi Roller, die gemeinsam die Arbeit der Energieagentur vorstellten.
Als Verein organisiert übernimmt die Energieagentur auf Grundlage einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zentrale Aufgaben des Landkreises im Bereich Energie und Klimaschutz. Die Finanzierung erfolgt über Landesmittel, die über den Landkreis bereitgestellt werden. Der jährliche Förderbetrag liegt dabei bei rund 330.000 Euro. Ziel der Vereinbarung ist es, eine kostenlose, neutrale und niedrigschwellige Erstberatung für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Kommunen und Mandatsträger sicherzustellen.
In der Energieagentur arbeiten zwei Mitarbeitende. Unterstützt wird ihre Arbeit durch ein Netzwerk aus 19 aktiven und fünf passiven Mitgliedern, allesamt Energieberaterinnen und Energieberater. „Die Energieagentur Landkreis Calw e. V. führt keine objektbezogene Detailplanung im Sinne einer individuellen Fachplanung durch“, erläutert Mesut Yaman. „Stattdessen bieten wir Bürgerinnen und Bürgern eine fundierte Erst- und Orientierungsberatung. Diese dient der Einordnung der Ausgangssituation, der Darstellung sinnvoller Handlungsoptionen sowie der neutralen Information zu technischen, rechtlichen und förderrechtlichen Rahmenbedingungen.“ Auf dieser Grundlage werden für die vertiefte Planung und konkrete Umsetzung geeignete regionale Energieberaterinnen und Energieberater sowie Fachbetriebe empfohlen. Dazu zählen auch die im Verein organisierten Energieberaterinnen und Energieberater. Die weitergehende fachliche Beratung und Umsetzung erfolgt anschließend in direkter Beauftragung durch die Beratungsempfänger.
Schwerpunkte der Arbeit sind die Bürger- und Unternehmensberatung, die Unterstützung der Kommunen bei der Wärme- und Netzplanung, die Beratung von Mandatsträgern, der Aufbau regionaler Netzwerke – etwa im Bereich Photovoltaik – sowie Bildungsarbeit an Schulen und Kindergärten. Jährlich verzeichnet die Energieagentur rund 400 Beratungsgespräche. Ein zentrales Anliegen istdabei die Niedrigschwelligkeit, denn Ratsuchende sollen unkompliziert und ohne Kosten Zugang zu verlässlichen Informationen erhalten.
Auf Nachfrage von Daniela Steinrode zur aktuellen Förderkulisse erläuterte Geschäftsführer Mesut Yaman, dass der Schwerpunkt der Förderung heute klar im Bereich der energetischen Sanierung liege. Für Bestandsgebäude bestehen umfangreiche Fördermöglichkeiten, sowohl für die Sanierung zu einem Effizienzhaus als auch für einzelne energetische Maßnahmen. Dabei stehen insbesondere Maßnahmen an der Gebäudehülle – etwa an Dach, Fassade, Fenstern oder der Kellerdecke – sowie der Heizungstausch im Fokus. Ergänzend verwies Yaman darauf, dass im Neubau derzeit Übergangsregelungen zum KfW-Effizienzhaus-55-Standard für bereits genehmigte Projekte gelten. Diese Übergangsregelung wurde Mitte Dezember freigeschaltet. Neue Förderungen greifen darüber hinaus insbesondere über den klimafreundlichen Neubau im KfW-Effizienzhaus-40-Standard – jeweils mit oder ohne zusätzliches Qualitätssiegel.
Umso wichtiger sei eine qualifizierte Erst- und Orientierungsberatung der Energieagentur Landkreis Calw e. V., die Bauherrinnen und Bauherren dabei unterstützt, passende Förderwege zu identifizieren und fundierte Entscheidungen zu treffen, da diese Beratungen neutral und unabhängig erfolgen.
Aktuell liegt ein weiterer Fokus der Energieagentur auf dem Aufbau und der Stärkung von Netzwerken, um das Thema Klimaschutz und Energie in der Region gemeinsam voranzubringen. Dazu gehört auch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit mit dem klaren Ziel, auf örtliche Anbieter und regionale Wertschöpfung hinzuweisen.
Daniela Steinrode betonte bei ihrem Besuch die große Bedeutung der Arbeit der Energieagentur: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Wissen weitergegeben wird und Menschen Orientierung bekommen. Gerade in einem Industrieland wie Deutschland und insbesondere in Baden-Württemberg sind eine sichere Energieversorgung und ambitionierter Klimaschutz kein Widerspruch, sondern gehören zusammen.“
Großes Potenzial sehe sie weiterhin vor allem im Bereich der Gebäudesanierung, sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht.
Auch Carl Staud unterstrich die Rolle der Energieagentur für den Landkreis: „Die neutrale Beratung ist ein entscheidender Baustein, um Akzeptanz zu schaffen und konkrete Schritte vor Ort zu ermöglichen – für private Haushalte ebenso wie für Kommunen und Betriebe.“
Der Besuch machte deutlich: Die Energieagentur Landkreis Calw leistet mit ihrer neutralen, unabhängigen und kostenfreien Arbeit einen wichtigen Beitrag dazu, die Energie- und Wärmewende im Landkreis konkret und praxisnah voranzubringen.
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