Die Veranstaltungsreihe „Bildungsaufbruch“ des SPD-Kreisverbandes Calw wurde im Otto-Hahn-Gymnasium Nagold unter dem Thema "G8 und doppelter Abiturjahrgang 2012" fortgesetzt.
Die Veranstaltungsreihe „Bildungsaufbruch“ des SPD-Kreisverbandes Calw wurde im Otto-Hahn-Gymnasium Nagold unter dem Thema "G8 und doppelter Abiturjahrgang 2012" fortgesetzt.
Auf das Podium waren hochkarätige Fachleute und Praktiker und Vertreter der Eltern geladen:
Seitdem werde am Bildungssystem herumgedoktert, wirksame Reformen aber scheiterten bisher an ideologischen Grabenkriegen. Nur ein auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens geführter bildungspolitischer Dialog, der zu einem gesamtgesellschaftlichen Konsens über Bildungsreformen führe, könne weiterhelfen.
Dazu wolle die SPD mit ihrem Bildungsaufbruch: “Bessere Bildung – jetzt!“ beitragen. In diesem Rahmen organisiere die Kreis-SPD ihre Veranstaltungsreihe zur Bildungspolitik. In dieser dritten Veranstaltung gehe es um die G 8 –Reform, wobei nicht die Verkürzung als solche hinterfragt werden soll - wenngleich sich über deren Sinn sicher auch streiten ließe, sondern drei Aspekte stünden im Mittelpunkt:
Die zusätzlich in Aussicht gestellten Mittel reichten ja nicht einmal aus, die sowieso erwartete und gewünschte weitere Zunahme der Studentenzahlen aufzufangen, geschweige denn, die notwendigen Ressourcen für einen doppelten Jahrgang bereit zustellen. Zudem sei die Vergabe der Mittel seitens des Wissenschaftsministeriums an Bedingungen geknüpft, die ihrerseits mehr Probleme schafften als lösten. Das Argument, dass in den neuen Bundesländern noch eine ausreichende Kapazität an Studienplätzen vorhanden sei, um den Überhang der alten aufzunehmen sei schlicht falsch. Es würden bis 2020 etwa 550000 Studienplätze gebraucht, in den Ostländern seien aber nur etwa 140000 vakant, daraus ergibt sich, dass cirka 410000 Plätze fehlen.
Michael Plocher sah in den hohen Abiturientenzahlen eine Chance für Industrie und Handwerk. Er beklagte, dass Abiturienten eine duale Ausbildung bisher zu selten in Betracht zögen, obwohl verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten, vor allem auch Wege in die Selbstständigkeit geboten würden. Diese Ausbildungswege würden von Abiturienten durch die absehbaren Engpässe an den Hochschulen in Zukunft wohl eher gewählt.
Elvira Böhrer-Hauk wandte sich in ihren Ausführungen der praktischen Umsetzung des G8 zu. So werde laut einer Umfrage bei Eltern, Schülern und Schülerinnen der Schulzeitverkürzung zwar grundsätzlich zugestimmt, aber viele Umstellungsprobleme wurden beklagt. So seien z.B. die Lehrpläne noch nicht auf G8 umgestellt, es würde zunehmen nachmittags unterrichtet, obwohl das G8 nach wie vor als Halbtagsschule konzipiert ist, trotzdem gäbe es an diesen Nachmittagen Hausaufgaben usw. Die Hälfte der Schüler und Schülerinnen fühle sich überfordert.
Viele Probleme seien Probleme des Bildungssystems an sich, sie würden durch die Einführung des G8 nicht gelöst, sondern verschärft: Lehrermangel, Mangelnde Aus- und Fortbildung der Lehrer und Lehrerinnen, zu hohe Klassenteiler, Lehrmethoden (Frontalunterricht) die nicht zu eigenverantwortlichem und selbstständigem Lernen befähigen, keine oder mangelhafte individuelle Förderung von leistungsschwachen, aber auch leistungsstarken Schülern, keine Hausaufgabenbetreuung in der Schule.
Diese Mängel ließen sich nur durch ein pädagogisches Konzept für das G 8 als Ganztagsschule lösen. Dies sei kostenneutral nicht möglich, daher müssten mehr Ressourcen für die Bildung bereitgestellt werden.
Johannes Baumann stellte die Effizienz von Schule und Unterricht in Frage, da beides an überkommenen Traditionen ausgerichtet sei und nicht an den Belangen und Anforderungen der heutigen Gesellschaft und Schülerschaft. Er kritisierte, dass nicht viel mehr von den Schülern und Schülerinnen und ihren Interessen her gedacht werde. Nur dann ließen sich Kriterien für ein effektives Lernen, bei dem eben Lehren und Lernen nicht mehr verwechselt würden, konzipieren. Baumann konstatierte, dass Gymnasiallehrer über eine hohe fachliche Kompetenz verfügten, aber Defizite im Bereich von Fachdidaktik, Pädagogik und Diagnostik hätten.
Die wenigsten beherrschten innovative Methodenkonzepte, es würden Fächer gelehrt, nicht Schüler und Schülerinnen. Es fehle außerdem an unterstützenden Professionen: Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Medienpädagogen, Bibliothekare, Netzwerkbetreuer, Unterrichtsassistenten.
Hinderlich sei auch die schleppende Umstellung des klassischen Lehrplans auf Bildungsstandards und die ebenso schleppende Reduzierung des Lernstoffs.
Alles in Allem sei aber nicht die hohe Wochenstundenzahl – neben dem zuvor genannten - das Problem des achtjährigen Gymnasiums, sondern der Versuch trotz der erhöhten Stundenzahl das G8 als Halbtagsschule durchzuziehen.
Das achtjährige Gymnasium müsse als Ganztagsschule ausgebaut, die zuvor genannten Mängel überwunden werden. Eine Ganztagsschule mit pädagogischer Konzeption lasse Schule zum Lebensraum werden, erlaube einen neuen Umgang mit der Zeit, so dass z.B. Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe in der Schule stattfänden. Dies sei auch ein unverzichtbarer Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Im Gymnasium Wilhelmsdorf seien diese Ansätze in ein eigenständiges pädagogisches Konzept eingearbeitet worden und dieses, soweit es die bestehenden Rahmenbedingungen zuließen, umgesetzt worden.
Sylvia Wiegert ergänzte, dass die G8-Problematik nicht nur Baden-Württemberg beträfe, sondern dass momentan in insgesamt zehn Bundesländern diese Umstellung erfolge. Schon allein dadurch seien die Ausweichmöglichkeiten auf andere Bundesländer begrenzt. Ungelöst seien auch die Alltagsprobleme eines doppelten Abiturjahrgangs: woher soll in den Universitätsstätten ausreichender, bezahlbarer Wohnraum kommen, was ist mit den Kapazitäten der Mensen?
Besonders schwerwiegend aber sei der Verdrängungswettbewerb: So sei zu erwarten, dass die Hochschulen ihre Zugangsbeschränkungen verschärften. Mehr Abiturienten in drängten in das duale Ausbildungssystem. Für Real- und Hauptschüler gäbe es dann noch weniger, bzw. gar keine Lehrstellen mehr.
Diese seien die Leidtragenden der Reform. Wenn sich aufgrund dieser Umstände mehr Jugendliche als heute in Warteschleifen befänden, müssten sich die Verantwortlichen fragen lassen, was uns die verkürzte Schulzeit dann bringe.
Norbert Zeller ergänzte die Ausführungen und Kritikpunkte der Vorredner aus politischer Sicht. Ihm sei die Blockade der Regierungsparteien hinsichtlich notwendiger bildungspolitischer Reformen unverständlich und nur mit ideologischen Scheuklappen zu erklären. Schließlich seien diese Reformen von pädagogischen Fachleuten gefordert und ihre Inhalte von diesen entwickelt.
So hätten sich auch die hier anwesenden Fachleute für eine konsequente Ganztagsschule mit einem entsprechenden pädagogischen Konzept ausgesprochen. Ohne diese bliebe die G8-Reform halbherzig, ihre Probleme unlösbar.
Deshalb fordere die SPD-Landtagsfraktion mit allem Nachdruck die flächendeckende Einführung der echten Ganztagsschule – keine Ganztagsschulen light, in der die Mütter dann wieder als ehrenamtliche Helferinnen die Nachmittagsbetreuung übernähmen.
Darüber hinausgehend fordere die SPD ein längeres gemeinsames Lernen. In einem ersten Schritt sollten die Kinder wenigstens sechs Jahre zusammen bleiben. Das Ziel sei aber eine gemeinsame Schulzeit aller Kinder bis zum zehnten Schuljahr, mit einer sich anschließenden, zweijährigen gymnasialen Ausbaustufe. Pisa- Sieger wie unter anderem Finnland hätten gezeigt, das diese Schulform sehr erfolgreich sei. Auch der Frage der Finanzierung hätte sich die SPD-Landtagfraktion gestellt und ein durchgerechnetes Konzept vorgelegt.
Nach ihren Impulsreferaten moderierten Experten und Elternvertreterinnen die drei Werkstatt-Foren, die sich thematisch an die schon genannten drei Schwerpunkte anlehnten. Man befasste sich vertiefend mit den aufgeworfenen Fragen. Die Teilnehmer hatten hier die Möglichkeit sich aktiv, d.h. mit Ideen, Kritik und eigene Erfahrungen mit dem Schul- und Bildungssystem, in die intensiven Diskussionen einzubringen.
Anschließend wurde im Plenum aus den Foren berichtet. Übereinstimmen wurde die Meinung vertreten, dass nicht die Einführung des G 8-Turbogymnasiums zu kritisieren sei, sondern deren mangelhafte Vorbereitung und Durchführung. Dadurch käme es zu den gravierenden Problemen, waren sich die Experten und Betroffene, Pädagogen und Elternvertreterinnen einig. Einig war man sich auch darin, dass nur durch die flächendeckende Einführung des G8 als Ganztagsschule mit pädagogischem Konzept, flankiert von Maßnahmen wie Verringerung des Klassenteilers, Professionalisierung etc., die auftretenden Probleme zu lösen sein.
Insgesamt müssten für die Bildung mehr Ressourcen bereitgestellt werden. Bildungsausgaben seien Investitionen in die Zukunft und nicht Konsum, daher seien Bildungsausgaben nicht der Haushaltssanierung unterzuordnen.
Hier sei die Politik gefragt. Politiker müssten in ihren Wahlkreisen immer wieder mit dem Thema, vornehmlich seitens der Betroffenen, konfrontiert werden, um sie zu diesem Paradigmenwechsel zu veranlassen.Homepage SPD Kreis Calw
07.06.2026 19:19 Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung
Stabilisierung der Pflegeversicherung muss solidarisch sein Ohne fairen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung bleibt die Finanzkrise der Pflege ungelöst. „Der Entwurf enthält wichtige Ansätze zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zentrale Antwort… Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung weiterlesen
03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen
01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen
27.04.2026 15:26 Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften
Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „#GEMA1NSAM – Für gute Arbeit“ kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen
30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung. Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen
Ein Service von websozis.info