Rathausbesuch in Simmersfeld: Große Projekte, große Herausforderungen – viel Tatkraft: mit BM Stoll im Austausch

Veröffentlicht am 20.11.2025 in Allgemein

Simmersfeld. Wie viel Kraft in einer kleinen Schwarzwaldgemeinde steckt, zeigt ein Blick nach Simmersfeld – dort wird sichtbar, wie ländliche Kommunen gleichzeitig Großes stemmen und mit hohen Hürden kämpfen. Beim Besuch im Rathaus informierte Bürgermeister Jochen Stoll die SPD-Landtagskandidatin Daniela Steinrode, Dr. Ursula Utters vom SPD-Ortsverein Altensteig / Ebhausen sowie Zweitkandidat Jochen Maier über die zentralen Zukunftsthemen der Schwarzwaldgemeinde – von großen Investitionen über Infrastrukturfragen bis hin zu umfangreicher Bürokratie, die kleine Kommunen zunehmend belastet. 
Aktuell steht in Simmersfeld das größte Hochbauprojekt der Gemeinde an: Das alte Rathaus wird abgerissen und in der Ortsmitte entsteht ein modernes Bürgerzentrum, das Anfang 2026 nach rund zweijähriger Bauzeit bezogen werden soll. Es wird Rathaus, Bürgersaal und eine barrierefreie Arztpraxis unter einem Dach vereinen – ein wichtiger Schritt in der städtebaulichen Erneuerung. Beim Wunsch nach der Schaffung von Wohnraum stieß die Gemeinde auf viele Auflagen und bürokratische Vorgaben, die viel Zeit in Anspruch nahmen. Bürgermeister Stoll macht deutlich, wie schwierig solche Projekte geworden seien: Die Umstellung eines Bebauungsplans beispielsweise erfordere zahlreiche Gutachten und zu viel Zeit. „Simmersfeld zeigt, wie engagiert kleine Gemeinden anpacken – aber auch, wie sehr Bürokratie die Entwicklung ausbremst. Diese Realität müssen wir ernst nehmen und ändern,“ betont Daniela Steinrode.

Beim Breitbandausbau ist Simmersfeld weit fortgeschritten. Die Gemeinde mit fünf Teilorten und rund 2.200 Einwohnern hatte bereits früh und vorausschauend begonnen und befindet sich nun in der finalen Phase. Traditionell spielt der Wintersport eine wichtige Rolle: die drei Lifte am Skihangwerden zukünftig von einem neuen Betreiber betrieben, dazu kommen Loipen auf 30 Quadratkilometern Gemeindefläche. Doch der Klimawandel bringt immer häufiger Schneemangel und erschwert dadurch den touristischen Betrieb.
Die Gastronomie ist – wie vielerorts – rückläufig. Gleichzeitig gibt es eine engagierte Seniorenarbeit, während das Thema Wohnen im Alter ein drängendes bleibt und potentielle Investoren für seniorengerechtes Wohnen rar sind. Sorgen bereitet indes der jüngste Zensus: 31 Einwohner weniger bedeuten geringere finanzielle Mittel durch den kommunalen Finanzausgleich und damit Einschnitte im Gemeindehaushalt. Stoll fordert eine grundlegende Überarbeitung oder Abschaffung des Verfahrens, dessen Ergebnisse schwer nachvollziehbar und mitunter fragwürdig seien.
Gemeinsam mit Bad Wildbad, Altensteig, Simmersfeld, Enzklösterle und Seewald betreibt die Gemeinde das interkommunale Gewerbegebiet INTERKOM Ost. Derzeit sind alle Flächen belegt, eine dritte Erweiterung ist jedochbereits in Planung, da es hierfür deutlichen Bedarf gebe. „Die Zusammenarbeit der Kommunen im INTERKOM ist ein wichtiger Beitrag zur regionalen Entwicklung. Sie zeigt, wie Gemeinden gemeinsam Potenziale heben können,“ sagt Dr. Ursula Utters. Die Firma Boysen, ein wichtiger Arbeitgeber, prägt Simmersfeld als Einpendlergemeinde und plant fünf neue Windräder. Simmersfeld gehört seit Jahren selbst zu den Vorreitern der Windkraft in der Region und plant weitere Windräder. Herausforderungen ergeben sich bei der Schaffung von Windrädern, die auf kommunalen Flächen geplant sind, durch Auflagen wie etwa Waldumwandlungen. Aufgrund von ohnehin großer Waldfläche können kaum neue Ausgleichsflächen geschaffen werden. Hinzu kommt, dass der erzeugte Strom derzeit nur schwer in die Netze abgeleitet werden kann, was dringend gelöst werden müsse.
Der ÖPNV fährt im Stundentakt und das Angebot ergänzende Rufbus ist ein grundsätzlich gutes Konzept, muss jedoch deutlich benutzerfreundlicher werden. Im Bildungsbereich ist Simmersfeld gut aufgestellt: Grundschule und Kindergarten liegen an einem Standort. Die Ganztagsbetreuung läuft zuverlässig und – im Gegensatz zum Landestrend – schon seit einigen Jahren.Die Feuerwehr zählt 90 Aktive in vier Abteilungen zuzüglich einer Jugendfeuerwehr und einer Altersabteilung. Aktuell wird der Feuerwehrbedarfsplan überarbeitet.

„Der Besuch zeigt, wie lebendig und leistungsfähig ländliche Gemeinden sind – und wie wichtig es ist, Zukunftsthemen wie digitale Infrastruktur, Mobilität und Energie gemeinsam voranzubringen,“ fasst Zweitkandidat Jochen Maier zusammen.

 

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