

Nagold. Helle Seminarräume, lebendige Kurspläne und ein Haus, in dem täglich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten zusammenkommen: Die SPD-Landtagskandidatin im Kreis Calw, Daniela Steinrode, hat die Volkshochschule Oberes Nagoldtal im ehemaligen Postgebäude in Nagold besucht. Im Gespräch mit Geschäftsführer und Leiter Dr. Mario Gotterbarm informierte sie sich über aktuelle Herausforderungen, Zukunftsperspektiven und die wachsende Bedeutung der Erwachsenenbildung. „Die Volkshochschule ist weit mehr als ein Kursanbieter. Sie ist ein Ort der Begegnung, der Integration und der persönlichen Entwicklung“, betonte Steinrode, die selbst schon begeistert VHS-Kure besucht hatte. Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen brauche es verlässliche Bildungsorte vor Ort.
Die Volkshochschule Oberes Nagoldtal bietet zudem ein sehr breites Spektrum – von Sprachkursen über berufliche Weiterbildung bis hin zu Gesundheits- und Kreativangeboten. Viele Kurse dienten nicht nur der fachlichen Qualifizierung, sondern stärkten auch Selbstvertrauen und Resilienz. „Wir ermöglichen neue Lebenswege“, sagte Gotterbarm. „Oft beginnt es mit einem einzelnen Kurs – und daraus entwickeln sich ganz neue berufliche oder persönliche Perspektiven, die so zuvor noch gar nicht zu erwarten waren.“
Im Austausch wurde deutlich: Lebenslanges Lernen ist längst keine Floskel mehr. „Unsere Arbeitswelt verändert sich rasant. Wer mithalten will, braucht kontinuierliche Weiterbildung – unabhängig vom Alter“, erklärte Steinrode. Volkshochschulen eröffneten Menschen unabhängig von Herkunft oder Lebensphase neue Chancen.
Die VHS Oberes Nagoldtal feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Sie wurde 1976 im Zuge der Kreisreform gegründet. Mitglieder des Zweckverbands sind die Städte Nagold und Haiterbach sowie die Gemeinden Rohrdorf, Ebhausen, Altensteig und Simmersfeld. Insgesamt beschäftigt die Einrichtung 16 feste Mitarbeitende, zahlreiche Kurse finden dezentral im gesamten Verbandsgebiet statt.
Neben beruflicher Bildung bildet insbesondere die Gesundheitsbildung einen Schwerpunkt. Gleichzeitig prägt der soziale Gedanke die Arbeit: So besteht etwa der Blockflötenspielkreis in Rohrdorf seit über 40 Jahren unter dem Dach der VHS. „Solche Gruppen zeigen, dass Bildung auch Gemeinschaft stiftet – und das über Jahrzehnte hinweg“, so Gotterbarm.
Ein zentrales und sehr drängendes Thema des Gesprächs waren Integrations- und Berufssprachkurse, deren Hauptkostenträger das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist. Die jetzt durch das Bundesinnenministerium erfolgte Einschränkung des Zugangs zu Integrationskursen führt zu etwa 50 Prozent weniger Teilnehmenden. Die Folge wird sein, dass auch für Menschen, die zu einem Kurs vom Jobcenter oder anderen Behörden verpflichtet werden, weniger Kurse starten können. In Nagold erreichen dennoch rund 70 Prozent der Teilnehmenden das Sprachniveau B1. „Das ist ein starkes Ergebnis und zeigt die Qualität unserer Arbeit“, betonte Gotterbarm. Gleichzeitig warnte er vor Einschnitten: „Ohne ausreichende Sprachförderung wird Integration erheblich erschwert. Wer an Sprachkursen spart, spart am gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Steinrode unterstützte diese Einschätzung: „Sprache ist der Schlüssel zu Arbeit, Teilhabe und Selbstständigkeit. Hier darf nicht gekürzt werden – im Gegenteil: Wir müssen diese Angebote stabilisieren und stärken. Politische Forderungen nach einer Streichung der Kurse wären ein verheerendes Signal.“ Menschen mit klarem Willen, die deutsche Sprache zu erlernen und sich dadurch in Beruf und Gesellschaft integrieren zu wollen, würden dadurch ausgebremst.
Zudem belaste ein hoher bürokratischer Aufwand – insbesondere bei Integrationskursen – die Einrichtungen erheblich. „Wir brauchen mehr Vertrauen in die Träger und weniger Verwaltungsaufwand“, so Gotterbarm.
Auch die strukturelle Finanzierung war Thema. Derzeit stammen nur rund 7,9 Prozent der Mittel vom Land Baden-Württemberg, während die Kommunen etwa 23,1 Prozent tragen. Ein großer Anteil wird über Teilnehmergebühren finanziert. Aus Sicht der Volkshochschulen wäre eine Drittelfinanzierung sinnvoll – jeweils rund 30 Prozent durch Land, Kommunen und Gebühren. „Weiterbildung hat politisch oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient – obwohl ihre Bedeutung stetig wächst“, sagte Gotterbarm. „Wir brauchen eine verlässliche und faire Finanzierung.“ Steinrode erklärte dazu: „Wenn wir Chancengleichheit ernst meinen, müssen wir auch die Weiterbildung stärker unterstützen. Volkshochschulen sind zentrale Bildungsanker – gerade im ländlichen Raum. Während der Corona-Pandemie erlebte die VHS einen deutlichen Digitalisierungsschub. Sprachkurse und berufliche Weiterbildungen werden inzwischen häufig digital oder hybrid angeboten. Gleichzeitig sei der Markt der beruflichen Weiterbildung stark umkämpft. „Digitalisierung ist eine große Chance – aber sie ersetzt nicht den persönlichen Austausch“, betonte Gotterbarm. Präsenzangebote blieben ein wesentlicher Bestandteil der Volkshochschularbeit. Steinrode zog ein klares Fazit: „Volkshochschulen sind Orte des Lernens, der Begegnung und der Integration. Sie geben Menschen Mut, neue Wege zu gehen. Für unseren Kreis Calw sind sie unverzichtbar – als Bildungsinstitution und als sozialer Treffpunkt.“
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