Anette Kramme bestätigt Erlacher Höhe vorbildliche Arbeit

Veröffentlicht am 29.05.2010 in Kommunalpolitik

v.l. Saskia Esken, Anette Kramme, Andreas Reichstein
  • Haushaltseinsparungen würden die Schwächsten unserer Gesellschaft treffen!

CALW. Beeindruckt zeigte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Anette Kramme von dem umfassenden Angebot, das die Erlacher Höhe im Landkreis Calw macht. Auf Einladung der SPD-Kreisvorsitzenden Saskia Esken war die Bundestagsabgeordnete aus Bayreuth in die Räume der diakonische Einrichtung im alten Bahnhof in Calw gekommen, um sich über die vielfältigen Projekte der Einrichtung zu informieren.

Geschäftsführer Andreas Reichstein verdeutlichte, wie die unterschiedlichen Bedürfnisse der Klienten der Erlacher Höhe in die Projekte eingebunden sind. "Wir bemühen uns hier um Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen ihren Arbeitsplatz und damit oft auch den Halt in der Gesellschaft verloren haben. Mit unseren Angeboten wollen wir ihnen den Weg in ein möglichst normales Leben ebnen", so Reichstein. Auf die Fragen der arbeits- und sozialpolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion entspann sich ein angeregtes Gespräch über die Rahmenbedingungen der Arbeit der Einrichtung.

Als geradezu vorbildlich empfindet Kramme die Vernetzung der Erlacher Höhe mit den Kommunen und anderen Einrichtungen, mit der IHK und der Kreishandwerkerschaft: "Anderswo gibt es oft Vorbehalte oder es kommt die Befürchtung auf, Arbeitsprojekte könnten eine Konkurrenz für Handel und Gewerbe darstellen." Auch gefällt der SPD-Politikerin und Juristin, dass die Erlacher Höhe Wert auf sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze legt, nur vereinzelt gibt es 1-Euro-Jobs.

Andreas Reichstein befürchtet, dass bei der nun anstehenden Haushaltskonsolidierung die Schwächsten in der Gesellschaft die Leidtragenden sein werden. "Die Kürzung der Arbeitsmarktmittel macht uns große Sorgen", spielt Andreas Reichstein auf entsprechende Ankündigungen der schwarzgelben Koalition in Berlin an. Davon könnten auch Qualifizierungsangebote der Erlacher Höhe betroffen sein. Gerade für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder gar ohne Schulabschluss müssten eher noch weitere Qualifizierungsmöglichkeiten geschaffen werden. Anette Kramme hätte deshalb gerne das Recht auf das Nachholen eines Schulabschlusses und den Anspruch auf eine Berufsausbildung gesetzlich festgeschrieben. "Bildung und berufliche Qualifikation sind unsere Zukunft, in diesen Bereichen darf nicht gespart werden", warnt Esken auch im Lichte des in naher Zukunft drohenden Mangels an Fachkräften und Hochqualifizierten. Kramme fügt hinzu, es müsse eine Öffnung der Hochschulen für ein Studium auch ohne Meisterprüfung erreicht werden. "Um Nach- und Weiterqualifizierung auch für die zu ermöglichen, die Verantwortung für eine Familie tragen, brauchen wir ein Erwachsenen-Bafög", sagt sie.

Neben den Qualifizierungsmaßnahmen könnte der geplante Ausbau der Beratungs- und Betreuungsqualität bei der Agentur für Arbeit von den Kürzungen betroffen sein, befürchtet Reichstein. In der Beratung und Betreuung sei es am wichtigsten, die Menschen mit ihren Sorgen, Nöten und Problemen wahrzunehmen, dazu brauchten die Berater und Beraterinnen Zeit - und die nötige Qualifikation. Die Arbeit der Agenturen habe sich in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert, das steht für Kramme außer Frage. Auf diesem Weg müsse die Agentur weiterentwickelt werden. Vor allem für unter 25-Jährige hält sie ein Betreuungsverhältnis von 75 Klienten pro Berater langfristig für nicht tragbar. "Das bedeutet, dass der Klient maximal einmal in zwei Wochen einen Kontakt bei seinem Berater hat - das ist zu wenig", rechnet sie vor.

Kritik übt Reichstein an der Ausschreibung vieler Qualifizierungsmaßnahmen, die freie Träger im Auftrag der Agentur für Arbeit unternehmen sollen. Da ginge es dann zumeist nur um das günstigste Angebot und nicht um die Qualität. Einfach nur billig wolle die Erlacher Höhe aber nicht sein, "wir wollen mit Qualität qualifizieren", so Reichstein, der auch mit Zahlen belegen kann, dass die im Landkreis Calw geleistete Arbeit mit aktuell 95 Klienten sehr erfolgreich ist. Anette Kramme führt an, dass hinter dem Zwang zur Ausschreibung europäisches Recht stecke und macht deutlich, dass neben dem Preis auch andere Kriterien wie zum Beispiel soziale und ethische Standards bei der Vergabe einfließen können.

 

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