Schömberg zeigt Stärke – und spricht offen über seine größten Sorgen

Veröffentlicht am 23.11.2025 in Allgemein

Hoch über dem Schwarzwald liegt Schömberg – ein Ort, der auf den ersten Blick mit Idylle, lebendigem Ortskern und starkem Ehrenamt glänzt. Doch hinter dieser Stärke verbergen sich Themen, die es in sich haben. Als Landtagskandidatin Daniela Steinrode Bürgermeister Matthias Leyn zum Gespräch traf, öffnete sich der Blick auf eine Gemeinde, die Tag für Tag Großes leistet, während sie gleichzeitig mit finanziellen Einbußen, strengen Vorgaben der Regionalplanung und wichtigen Zukunftsentscheidungen ringt. Schon zu Beginn des Gesprächs machte Steinrode deutlich, warum ihr der direkte Austausch so wichtig ist: „Man versteht die Lage einer Kommune erst dann, wenn man die Menschen trifft, die täglich Verantwortung tragen.“
Schömberg beeindruckt mit seiner besonderen Lage im nördlichen Schwarzwald, einem lebendigen Ortskern und einer starken Infrastruktur. Das ehrenamtliche Engagement ist außergewöhnlich – sichtbar in einer von Ehrenamtlichen organisierten Fotoausstellung im Rathaus. „Dieses Engagement ist für uns unbezahlbar. Ohne unsere Ehrenamtlichen wäre vieles in Schömberg nicht denkbar“, betonte Bürgermeister Leyn.
Besonders belastend ist die finanzielle Schieflage, die durch den Zensus 2022 entstanden ist. Rund 500 Einwohner fehlen plötzlich in der Statistik – ein erheblicher Unterschied zu den 8.200 real gemeldeten Menschen. „Durch denZensus haben wir eine Million Euro weniger Einnahmen – Geld, das wir hier dringend brauchen“, sagte Leyn. Die Folgen schlagen sich deutlich nieder: 2025 droht ein Defizit von vier Millionen Euro, 2026 sogar von fünf Millionen. Hauptauslöser sind steigende Tarifkosten, eine hohe Kreisumlage und massiv gestiegene Sach- und Energiekosten. Um die Situation transparent zu machen, setzt Leyn auf offene Kommunikation: „Menschen sollen wissen, wo wir stehen. In unserer Einwohnerversammlung im September haben wir diese Problematik deutlich gemacht und versucht, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären.“

Schömberg ist strukturell dennoch stark. „Gerade unsere Lage und unser interkommunales Gewerbegebiet machen Schömberg attraktiv – die Nachfrage nach Flächen ist groß“, erklärte Matthias Leyn. Zugleich mahnte er: „Es kann nicht sein, dass Kommunen so arbeiten müssen, als wären sie in einem Dauer-Hürdenlauf. Wir müssen sie wieder in die Lage versetzen, zu gestalten statt nur zu verwalten.“
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die geplante Erweiterung des Modehauses Bertsch. Hier steht die Gemeinde vor Herausforderungen in der Regionalplanung, insbesondere wegen einer ungünstig berechneten Zentralitätskennziffer, die die Weiterentwicklung des Einzelhandels erschwert. „Wir wollen unseren Einzelhandel stärken, aber wir stoßen auf Grenzen, die mit der Realität vor Ort wenig zu tun haben“, erklärte Leyn. Der lebendige Ortskern sei ein Aushängeschild der Gemeinde – und dessen Weiterentwicklung müsse möglich bleiben.
Eine Feuerwehr mit 180 Aktiven, ein starkes Familienzentrum, Jugendhaus und Integrationsmanagement prägen das lokale Angebot aber auch die Parkraumsituation, die im Ortskern weiterhin bewusst kostenfrei gehalten wird.
Die Grund- und Werkrealschule wurde für rund sechs Millionen Euro modernisiert, doch mit dem landesweiten Auslaufen der Werkrealschulen bis 2031 steht die Gemeinde vor neuen Entscheidungen. „Wir müssen als Kommune wissen, welche Perspektive die Landespolitik für solche Schulen überhaupt noch sieht“, sagte Leyn.
Zum Abschluss formulierte der Bürgermeister drei Erwartungen an die Landespolitik: weniger Bürokratie, mehr finanzielle Handlungsspielräume, regelmäßiger Austausch mit den Kommunen. „Wer bestellt, muss auch bezahlen – dieses Prinzip muss endlich ernst genommen werden“, so Leyn.
Daniela Steinrode sicherte zu, sich für diese Anliegen starkzumachen: „zu viel Bürokratie, zu wenig finanzielle Mittel, zu viele Hürden. Das können wir so nicht stehen lassen.“
Auch Zweitkandidat Maier, der Steinrode beim Besuch begleitete, unterstrich die Bedeutung eines engen Austauschs: „Wenn wir Kommunen stärken wollen, dann müssen wir zuerst verstehen, was sie wirklich brauchen. Und das erfährt man nur vor Ort – im direkten Gespräch.“

 

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