SPD stellt Antrag zu den geplanten Rodungen am Waldeckweg

Veröffentlicht am 23.09.2022 in Ortsverein

Wälder spielen eine bedeutende Rolle im Klimasystem – sowohl global als auch lokal. Sie stellen einen wichtigen ökologischen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar, speichern Wasser und bilden Sauerstoff, aber sie dienen auch als wertvoller und großer CO2 Speicher. Menschen bieten sie darüber hinaus auch einen vielfältigen Mehrwert als Erholungsraum. 

In Nagold sollen nun entlang des Waldeckweges Abholzungen durch die Nagolder Forstverwaltung durchgeführt werden. Auf Einladung des Anwohners Christian Stickel besuchte die SPD Gemeinderatsfraktion gemeinsam mit dem SPD Ortsverein Nagold das betroffene Waldstück. „Es ist uns wichtig, Bürgeranliegen ernst zu nehmen und uns vor Ort ein Bild zu machen“ betonte der Vorsitzende der SPD Gemeinderatsfraktion Daniel Steinrode. Im besagten Waldstück soll ein massiver Einschlag vorgenommen werden. Selbstverständlich muss die Verkehrssicherheit für Anwohner und Nutzerinnen und Nutzer auf und neben Waldwegen gewährleistet sein. Diese Aufgabe führt natürlicherweise dazu, dass Pflegemaßnahmen und Baumentnahmen erfolgen. „Neben der übermäßig großen Zahl Bäumen werden jedoch zahlreiche weitere in Mitleidenschaft gezogen werden“ sagte Christian Stickel und erläuterte dies weiter: „für den Abtransport sind breite Schneisen geplant, so dass gleichzeitig auch junge, wachsende Pflanzen mit zerstört werden.“ Durch Harvester und Rückefahrzeuge werden bei Erntemaßnahmen Waldböden dazu stark verdichtet und geschädigt.  
Bernd Gorenflo unterstrich, dass zum Schutz und als Pflege einige Äste und kranke Bäume herausgenommen werden könnten. Im besagten Waldstück sind jedoch keine bis kaum Baumpflegemaßnahmen erkennbar. 
SPD Ortsvereinsvorsitzender Muhammed Ali Öner äußerte Frage, weshalb in einem augenscheinlich so gesunden Bestand derartig viel gefällt werden solle und fügte hinzu: „Trotz der lang anhaltenden Phase der Trockenheit in diesem Sommer sind die Bäume viel grüner als in anderen Beständen.“ 
Bernd Gorenflo wies daraufhin: „Die bestehende Waldkante ist geschlossen und bietet damit Schutz gegen die Westwinde. Die geplante Entnahme auch großer und hochwüchsiger Bäume an der Waldkante würde neue Angriffsflächen an Front und Kronendach nach sich ziehen. Die gesamte Waldkante scheint vom Hang her gut bewässert und es sind keine Trocknungsschäden erkennbar.“
Hans Meier hob hervor, dass es sich bei dem Waldstück nicht um eine Monokultur, sondern um einen stabilen Laubmischwald handele. SPD Kreisvorsitzende Daniela Steinrode bedauerte die möglichen Auswirkungen auf den zertifizierten Nagolder Premiumwanderweg „7 Berge Weg“, der durch das Waldstück führt. „Dieses touristische Highlight unserer Stadt würde sehr darunter leiden und der wunderschöne Wanderweg und das Wandererlebnis große qualitative Einbußen erfahren“ fügte SPD Ortsvereinsvorsitzende Marina Ederle hinzu. 
Christian Stickel gab zu Bedenken, dass auch der Holzertrag nicht als Argument gelten könne, da viele Sägewerke vermehrt keine Lieferungen mehr annähmen aufgrund der einbrechenden Konjunktur. 
SPD Gemeinderat Daniel Geese fragte nach Schäden in der Vergangenheit und forderte schonendere Maßnahmen zur Pflege des Baumbestandes. Christian Stickel betonte, es haben in den vergangenen Jahren keine Schäden durch umstürzende Bäume gegeben. Man könne davon ausgehen, dass der Wald eine gewachsene Stabilität besitzt und der Bestand erhalten bleiben könne. Stickel unterstrich zudem die ökologischen Bedenken: „Im Wald leben Lurche und Kröten, die zum Kreuzertal wandern und deren Lebensraum betroffen ist.“ 
Bernd Gorenflo wies angesichts des Klimawandels darauf hin, dass neue Akzentuierungen und Abwägungen bei der Umsetzung der Verkehrssicherungspflicht angebracht seien. Laut des aktuellen Greenpeacereports „Energiepolitik auf dem Holzweg“ wurde durch das klimabedingte Baumsterben und durch den Anstieg des Holzeinschlags die Kapazität des Waldes, CO2 aus der Luft zu binden alleine zwischen 2017 und 2019 in Deutschland halbiert. Dieser dramatische Einbruch muss auch in Nagold ernst genommen werden. 
 Als Konsequenz aus dem Vororttermin hat nun die SPD Fraktion einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, das Vorhaben nochmals zu überdenken und die einzelnen Maßnahmen auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen. In dem Schreiben der Fraktion, dass an den Oberbürgermeister als Vorsitzenden des Gemeinderates gerichtet wurde heißt es:

„Wir wurden von einem Anwohner darüber informiert, dass entlang des Waldeckweges massive Abholzungen durch die Nagolder Forstverwaltung durchgeführt werden sollen. Selbstverständlich ist es Aufgabe des Forstes zu prüfen, ob entlang öffentlicher Wege die Verkehrssicherheit für Anwohner und Nutzerinnen und Nutzer gewährleistet werden kann. Dass es hier dann zu Pflegmaßnahmen und Entnahmen gegebenenfalls von Bäumen kommen kann wird nicht bestritten. Bei der hier nun geplanten Maßnahme stellen wir jedoch die Dimension der geplanten Entnahmen in Frage. Insbesondere entlang des zertifizierten Nagolder Premiumwanderweges „7 Berge Weg“. Der erst vor einigen Jahren ausgezeichnete Wanderweg ist unbestritten eines der touristischen Highlights unserer Stadt.  Eine Qualitätsminderung auf Grund von eventuell unnötiger Rodungsmaßnahmen muss verhindert werden. Wir befürchten, dass durch die geplanten Fällungen das Wandererlebnis erheblich geschmälert werden würde. Außerdem würde das jetzt sehr schöne Ensemble entlang des „Waldeckweges“ massiv verändert.
Die bestehende Waldkante ist geschlossen und bietet damit Schutz gegen die Westwinde.
Die geplante Entnahme auch großer und hochwüchsiger Bäume an der Waldkante würde neue Angriffsflächen an Front und Kronendach nach sich ziehen.
Die gesamte Waldkante scheint vom Hang her gut bewässert und es sind keine Trocknungsschäden erkennbar. 
Die Fraktion der SPD im Gemeinderat der Stadt Nagold bittet darum, die geplante Maßnahme kritisch zu überdenken und jeden einzelnen Baum auf seine Standfestigkeit nochmals zu überprüfen.
Es sollte schriftlich dem Gemeinderat dargestellt werden, welche Schäden am Waldeckweg in den letzten Jahren durch umstürzende Bäume verzeichnet wurden. Sollten keine nennenswerten Schäden zu verzeichnen sein, so ist davon auszugehen, dass das bestehende System eine gewachsene Stabilität hat und somit der Bestand erhalten bleiben kann.
Angesichts des Klimawandels sind neue Akzentuierungen und Abwägungen bei der Umsetzung der Verkehrssicherungspflicht angebracht.
Im aktuellen Report „Energiepolitik auf dem Holzweg“ von Greenpeace heißt es:
„Der Ersatz fossiler Energieträger mit Holz kann die Klimakrise nicht aufhalten. Im Gegenteil, er schadet dem Klima sogar mehrfach: 
• Durch die Verbrennung von Holz gelangt CO2 in die Atmosphäre. 
• Die entnommenen Bäume können ihrer natürlichen Funktion, CO2 aus der Luft zu binden und speichern, nicht mehr nach-kommen.
• Zusätzlicher CO2-Ausstoß durch Maschinenbetrieb bei Holzernte, Transport und Verarbeitung des Holzes (z. B. Hackschnitzel). Harvester und Rückefahrzeuge sind auch Ursache für verdichtete und damit geschädigte Waldböden. 
Die Kapazität des deutschen Waldes, CO2 aus der Luft zu binden und zu speichern, hat sich durch das klimabedingte Baumsterben und den Anstieg des Holzeinschlags zwischen 2017 und 2019 innerhalb von zwei Jahren halbiert. Damit wird es für Deutschland unmöglich, seine Ziele aus dem Klimaschutzgesetz (KSG) für den Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft zu erreichen.“ 
Auf Basis der Erkenntnisse der erwähnten Greenpeace-Studie sollte der Gemeinderat seinen erst kürzlich gefassten Beschluss, die Einschlagszahlen in Nagolder Wäldern zu erhöhen, überdenken, so die Nagolder SPD in ihrem Antrag

 

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